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Fotos: ©  Edition Boiselle

Putzen ohne Betteln & Beißen

Peter KreinbergPeter Kreinberg Tipp von Peter Kreinberg


Frage von Gerhard Hennesen:

Mein Pferd ist beim Putzen sehr aufdringlich. Ständig möchte es Leckerlis von mir erbetteln und kommt dafür mit Kopf und Maul zu mir herum. Es bettelt, wobei ich das Füttern von Leckerlies auf Hinweis meines Trainers schon eingestellt habe. Bei ihm unternimmt mein Pferd auch beim Putzen keinerlei Versuche zu betteln. Wie kann ich sein Verhalten bei mir korrigieren? Wenn ich das Pferd dafür bestrafe, ignoriert es das total und droht weiter.

Antwort von Peter Kreinberg:

Ihrem Leserbrief entnehme ich, dass es häufig Leckerlis bekommen hat, und um das Verhalten zu durchbrechen, ist es – wie Ihr Trainer schon sagte – wichtig, das Füttern von Leckerlis gänzlich zu unterlassen. Das Verhalten Ihres Pferdes hat übrigens das Verhaltensmuster des Bettelns schon überschritten, da würde es mit dem Huf scharren oder unruhig sein. Es fordert schon mit einer Drohgebärde Futter: das ist ein Vorstufe zu tatsächlich aggressivem Verhalten, bei dam dann auch mal zugebissen wird. Es ist richtig, dass Sie sich jetzt Gedanken darüber machen, wie das Verhalten geändert werden kann.

Das Füttern aus der Hand ist sehr verbreitet. Es gibt recht unterschiedliche Meinungen dazu, ob und wann dies sinnvoll ist. Ich möchte mich in diesem Zusammenhang dieser Diskussion nicht anschließen. Doch die Praxis zeigt eindeutig, dass die meisten Pferde, denen ständig Leckerlis aus der Hand gereicht werden, zu schlechten Manieren, unruhigem oder drohendem Verhalten oder gar zu tatsächlichen aggressiven Attacken neigen. Dies läßt sich aus dem Umstand ableiten, dass mit den Futtergaben aus der Hand Futterneid gefördert oder gar ein Suchtverhalten konditioniert wird. Wer aus der Hand füttern möchte, der sollte das sehr kontrolliert tun und auf absolute Disziplin achten. Wie das aussehen könnte, möchte ich im Folgenden aufzeigen. Mit dieser Routine können Sie dann auch versuchen, das Verhalten Ihres Pferdes zu korrigieren.

Bei der Korrektur ist es besonders wichtig, dass Sie stets ruhig bleiben, niemals grob werden oder nach dem Pferd mit Hand oder Gegenständen schlagen.

Stellen Sie sich die Korrektur in vier Phasen vor und rechnen Sie damit, dass sich das Programm über Wochen ja eventuell über Monate hinzieht.

  1. Phase 1: Machen Sie sich einen Plan, wann, wo und zu welchen Gelegenheiten Sie Leckerlis reichen. Sie sollten Ihr Pferd so wenig häufig wie möglich aus der Hand füttern. Füttern Sie es nie am Putz-, Sattel- oder Anbindeplatz. Sie sollten nicht ständig Leckerlis in Ihrer Kleidung haben, Ihr Pferd riecht das, und das löst reflexiv das ungewünschte Verhalten aus. Füttern Sie es außerhalb der Korrekturübungen nur, wenn es eine besondere Leistung erbracht hat. Stellen Sie unbedingt sicher, dass auch nicht von anderen Personen aus der Hand gefüttert wird.
  2. Phase 2: Zeigen Sie Ihrem Pferd, dass es sich manierlich benehmen muss, um an das Leckerli zu kommen. Stellen Sie sich vor Ihrem Pferd auf. In einer geschlossenen Hand haben sie ein Leckerli. Reichen Sie die Hand unter das Maul, aber halten Sie sie geschlossen. Vorsicht, es kann sein, dass Ihr Pferd in die Hand beissen möchte. Sobald es das Maul nach Ihrer geschlossenen Hand bewegt, stupsen Sie es mit einer ruhigen, aber bestimmten Bewegung von unten gegen die Lippen und bringen dann die Hand in die ursprüngliche Position. Wiederholen Sie das, bis Ihr Pferd sich der Hand mit dem Maul in der Weise nähert, wie es z. B. Prüfen würde, ob in einer Weidezaun-Litze Strom fließt. Wenn es dieses abwartend behutsame Verhalten zeigt, öffnen Sie die Hand und lassen es das Leckerli herunternehmen. Loben Sie es mit der Stimme und mit der Hand am Hals. Fixieren Sie mit der anderen per Halftergriff den Kopf vor dem Körper. Pro Übungseinheit können sie das zwei bis dreimal machen. Wenn möglich verteilen sie einige Übungseinheiten über den Tag. Nach den ersten Übungseinheiten fordern sie zuvor jeweils etwas wie z. B. einige Schritte rückwärts, bevor Sie ein Leckerli gewähren.
  3. Phase 3: Wiederholen sie die Übungen der Phase 2, wenn die Manieren wieder zu wünschen übrig lassen. Hat Ihr Pferd Fortschritte gemacht und benimmt sich meistens freundlich abwartend, so kann es dennoch immer wieder mal in alte Gewohnheiten zurück verfallen. Sollte es dafür Anzeichen geben, zögern Sie nicht: Machen Sie sofort mit ihm einige Tage lang die Korrekturübungen systematisch.
  4. Phase 4: Zeigen Sie Ihrem Pferd, wie es sich am Putzplatz und beim Putzen benehmen soll. Es ist hilfreich bei solchem Verhalten, wenn das Pferd in Crossties, also in seitlichen Anbindern, beim Putzen steht. Sollte Ihr Pferd nicht daran gewöhnt sein, so muss es erst mit dieser Form des Angebunden-Stehens vertraut gemacht werden. Sollte es an einem einfachen Anbinder stehen, so können Sie zur Korrekturübung beim Putzen einen Longiergurt auflegen. Fixieren sie an der Außenseite des Halfters ein dünnes Seil, führen Sie es durch einen Ring des Longiergurts auf der von Ihnen abgewandten Seite und halten sie das Seilende beim Putzen in einer Hand so kurz, dass es sich jedes Mal strafft, wenn Ihr Pferd den Kopf herum nimmt, um nach Ihnen zu beißen. Geben Sie eventuell jedes Mal einen ruhigen, aber festen Ruck, wenn es „zickt“ – und loben Sie es, wenn es sich manierlich benimmt.

    

   

 

 

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