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Fotos: ©  Edition Boiselle

Angaloppieren aus dem Stand

Peter KreinbergPeter Kreinberg Tipp von Peter Kreinberg

 

Frage von Corinna Zeppenheim:

Ich habe einen 9-jährigen Andalusier-Wallach, der mir sehr viel Freude bereitet. Er läßt sich sehr gut reiten, die Grundgangarten führen wir geregelt und, ich denke auch, leicht aus. Zur Zeit würde ich gern das Angaloppieren aus dem Schritt und dem Stand erarbeiten. Aus dem Trab funktioniert es auf den Punkt genau, aus dem Schritt und Stand fühlt es sich allerdings noch sehr ruckartig, schleppend und verzögert an. Gerne würde ich hier lesen, welche Punkte Sie dabei berücksichtigen.

Antwort von Peter Kreinberg:

Ich habe eine ganz gezielte Übung, durch die der Reiter ein Angaloppieren aus dem Schritt und dem Stand erarbeiten kann. Mit dieser Übung wird ruhiges, ausbalanciertes und kontrolliertes Angaloppieren an leichten Hilfen im gewünschten Handgalopp für Pferd und Reiter in Reitbahn und Gelände auf einfache Art vermittelt. Als Reiter lernen Sie dabei, sich so auf dem Pferd zu platzieren, dass es nicht durch Ihre Körperhaltung und Ihr Gleichgewicht gestört wird – auch nicht in einem so „schwierigen“ Manöver wie dem Angaloppieren. Der Reiter lernt, sich „nur“ auf Signaleinwirkungen zu reduzieren und nicht den Versuch zu machen, körperlich mit Nachdruck „das Pferd mechanisch anzugaloppieren“. Das Pferd lernt dabei, sich unter dem Reiter ungestört in natürlicher Haltung auszubalancieren, zu positionieren und von Signalen in den Galopp leiten zu lassen. Es entwickelt ein Bewusstsein für das Manöver „Angaloppieren“.

So führen Sie die Übung aus:

Für viele Reiter und ihre Pferde ist das Angaloppieren aus dem Schritt oder gar aus dem Stand sehr problematisch. Da Pferde ohne Reiter in der Regel kein Problem damit haben, aus dem Stand heraus anzugaloppieren, liegt die Vermutung nahe, dass die Probleme eng mit dem Verhalten des Reiters verknüpft sind. In seinem Bestreben, das Pferd mit energischen Einwirkungen, besonders mit den Schenkeln und „Kreuzeinwirkungen“ in den Galopp zu „treiben“, verkrampft er sich, bewegt sich unkoordiniert und stört das Pferd nachhaltig. Entsprechend „holprig“ und widerwillig fällt dann die Reaktion des Pferdes häufig aus.

Ich bevorzuge für das Angaloppieren eine Übung, die es Pferd und Reiter leichter macht, den Vorgang des Angaloppierens ruhig, koordiniert und ohne Hektik auszuführen. Ich teile das Gesamtmanöver dafür wieder in einzelne Komponenten auf. Zur Vorbereitung des Angaloppierens nutze ich Übungen, die Pferd und Reiter schon geläufig sind, um eine Sensibilisierung für die Hilfen in der Körperhaltung zu erreichen und so ideale Voraussetzungen der Bewegungskoordination zu schaffen.

Am leichtesten ist diese Übung auf dem Zirkel durchzuführen. Man reitet im Schritt auf einem nicht zu großen Zirkel zu dem Punkt, an dem man angaloppieren möchte. Dort hält man an und läßt das Pferd um die Hinterhand zur Innenseite des Zirkels hin wenden und kurz verharren. Nun läßt man es einige Tritte vom inneren Schenkel weg (Impulse in mittlerer Position) seitwärts-vorwärts treten, um es für diese Einwirkungen zu sensibilisieren und im Gleichgewicht zu stabilisieren. Beide Zügel werden dicht am Hals geführt, sie halten eine weiche Verbindung zu jeder Maulseite aufrecht und regulieren den Bewegungsspielraum nach vorn. Der äußere Schenkel bleibt passiv begrenzend in hinterer Position. Durch diesen Teil der Übung hat das Pferd nun nicht sein Körpergewicht auf der inneren Schulter, sondern eher etwas mehr auf der äußeren Körperseite. Es lehnt nicht gegen den inneren Schenkel, sondern weicht ihm. Nun dreht man die Hacke des inneren Schenkels vom Pferd weg (Fuß rollt auf die Außenkante der Sohle, Drehung aus dem Kniegelenk). Als Reaktion stellt sich das Pferd mit dem inneren Hinterbein in den Zirkel herein auf einen „zweiten Hufschlag“. Man gestattet ihm, zwei oder drei Tritte zu tun, setzt sich wieder in Normalposition und reitet im Schritt auf der Zirkellinie weiter. Diese Vorübung wiederholt man, bis sie problemlos klappt und das Pferd nach beiden Seiten in den vom Schenkel angebotenen Freiraum mit innerer Hüfte und Hinterbein jedesmal hereintritt. In dieser Position ist es ideal für den ersten ruhigen Galoppsprung im Handgalopp positioniert.

Nun führt man die Wendung wieder bis zu dem Moment durch, da das innere Reiterbein seitlich „ausgedreht“ wird. Diesmal folgt dem „Ausdrehen“ ein leichtes, senkrechtes Heben des Knies. Dabei achtet man darauf, nicht mit dem Oberkörper zum Ausgleich zu lehnen. Ausdrehen und Heben ist nahezu eine Bewegung, gleichzeitig gibt man mit dem inneren Zügel in Richtung Pferdemaul nach und schnalzt im Rhythmus der gewünschten  Galoppbewegung. Anfänglich wird nicht jedes Pferd gleich angaloppieren, sondern viele werden antraben. Solange man fühlt, dass es die Kruppe dabei in den Zirkel hereinstellt, sollte man zufrieden sein, in der Trabbewegung mitgehen und es mit Stimme und Körperimpulsen ohne Hektik oder Druck ermuntern, aus dem Trab anzugaloppieren. Dafür trabt man am besten leicht oder begibt sich in den Entlastungssitz. Dabei ist es besonders wichtig, mit dem Oberkörper passiv zu bleiben und nicht seitlich zu lehnen oder gar mit aktiver Sitzeinwirkung und „treibendem Sitz“ auf das Pferd einzuwirken. Das Pferd soll für den Reiter angaloppieren, weil es die Signale verstanden hat, das ist der Zweck der Übung.

Ob es nun im Trab geblieben ist oder schon nach etwa einem halben Zirkel angaloppiert, man hält es mit korrekten Hilfen an, läßt es wiederum wenden, seitwärts treten und bietet ihm wieder die gleiche Hilfenkombination an. Man kann die Übung zehn bis zwanzig Mal pro Trainingstag durchführen. Sehr bald wird das Pferd in Folge der ruhigen und regelmäßigen Wiederholungen eine gute Vorstellung von der Abfolge der Übung haben. Es wird nicht hektisch werden, dafür aber im Galopp im Gleichgewicht bleiben und in der Linientreue präzise. Es bekommt allmählich eine Vorstellung davon, dass das Angaloppieren von ihm erwartet wird, es befindet sich jeweils in der idealen Körperhaltung dazu und wird den ersten, ruhigen, ausbalancierten Galoppsprung zunächst eventuell mit vorgeschalteten, ruhigen Trabschritten bald anbieten. Und dann wird es zum ersten Mal mit seinem inneren Hinterbein prompt und engagiert dem weggedrehten inneren Reiterschenkel folgen und den ersten, gesetzten Galoppsprung anbieten. Um diese Ausführung deutlich positiv zu reflektieren, sollte man es loben, die Zügel hingeben und ein bis zwei ruhige Zirkel galoppieren, bevor man diese Übung für den Trainingstag verläßt.

In den folgenden Tagen wiederholt man die Übung immer wieder präzise und konsequent, bis das Pferd keine Trabschritte mehr ausführt und jedesmal aus dem Schritt angaloppiert. Nun kann man auf die Wendung verzichten, im Schritt auf dem Zirkel reiten, es einige Schritte vorwärts-seitwärts treten lassen, um daraus das Angaloppieren wieder zu entwickeln. Als zusätzliches Signal ist es möglich, den Außenschenkel mit leichtem Kontakt, ohne zu drücken, anzulegen, nachdem der innere Schenkel ausgedreht wurde. Dieser zusätzliche Impuls macht das Manöver für Pferd und Reiter noch einfacher in der Verständigung über den exakten Zeitpunkt des Angaloppierens. Ebenso kann der innere Schenkel leichten Kontakt herstellen, um die Biegung zu kontrollieren. Nach einiger Zeit wird es auch aus dem Stillstand willig und ruhig mit untergesetztem inneren Hinterbein angaloppieren. Dies läßt sich problemlos auf geraden Linien weiterentwickeln.

Als Resultat dieser Übung wird das Pferd ruhig und ohne Hektik angaloppieren. Da es schon im ersten Galoppsprung perfekt ausbalanciert ist, wird es auch in den folgenden Übungen ruhig am losen Zügelkontakt in Selbsthaltung weiter galoppieren.

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