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Fotos: ©  Edition Boiselle

Körpergefühl

 

Peter KreinbergPeter Kreinberg  Tipp von Peter Kreinberg

 

Frage von Franka Kreimeier:

Wie wichtig ist das Körpergefühl beim Reiter wirklich, beziehungsweise wie wichtig ist seine Körperhaltung im Sattel? Ich würde für mich gerne herausfinden, inwieweit ich mich in meinem Körperbewusstsein noch verändern muss. Da wir in unserem Reitstall dieses Thema diskutiert haben, würde ich mich über eine Antwort freuen.

Antwort von Peter Kreinberg:

Für jeden Reiter ist es erstrebenswert, sein Körpergefühl und seine Koordinationsfähigkeit auf dem Pferderücken zu verbessern. In dem Maße, in dem das gelingt, wird er das Pferd weniger stören und behindern und
die Verständigung über differenzierte Signalgebung zunehmend ermöglichen. Damit diese Verständigung zustande kommt, müssen Botschaften gesendet und empfangen werden.

Ein wohl dosierter Signaldruck, am Pferdekörper (im Pferdemaul) platziert, sendet
die Botschaft an das Pferd, nachzugeben und entsprechend geändertes Bewegungsverhalten zu zeigen. Nachdem das Signal ausgesendet wurde, muss der Reiter nun die Rückmeldung, das „Echo“ des Pferdes über sein eigenes Körpergefühl aufnehmen, auswerten und entsprechend die nächste „Botschaft“ versenden. Gibt ein Reiter einen Druckimpuls mit einer bestimmten Bedeutung an das Pferd, so kann es entweder wie gewünscht, zu wenig nachgiebig oder zuviel reagieren. Der Reiter muss an der Reaktion des Pferdes entscheiden, ob es wie gewünscht, zu wenig oder zu viel Reaktion gezeigt hat.

Wichtig: Ursachenforschung
Zeigt das Pferd auf ein Signal eine zu geringe Reaktion, so kann das verschiedene Ursachen haben.

  • Der Reiter hat, ohne es selbst zu merken, eine falsch dosierte oder platzierte Einwirkung (Botschaft) gesendet, und das Pferd führt diese nun mit entsprechender geringer Bewegung aus.
  • Der Reiter hat seinen Druckimpuls richtig dosiert und platziert, aber das Pferd war unaufmerksam und abgelenkt, es ignorierte den Kontakt (die Botschaft).
  • Der Reiter hat richtig dosiert und platziert, das Pferd war aufmerksam und bemühte sich, den Impuls umzusetzen, doch es war zu steif oder konnte die Bewegung nicht koordiniert ausführen.

Drei verschiedene Ursachen für eine vergleichbare Reaktion, im ersten Falle lag die Ursache beim Reiter, er muss sein eigenes Verhalten verändern (Reittechnik).
Im zweiten Fall war es eine mentale Unzulänglichkeit beim Pferd (Erziehung).
Und im dritten Fall gab es eine körperliche Ursache beim Pferd (Gymnastizierung).

Um mit reiterlichen Einwirkungen eine optimale Verständigungssituation herstellen zu können und ein harmonisches Miteinander mit dem Pferd zu erreichen, muss man also sein Bewusstsein auf das Senden von Körperbotschaften und ihr Empfangen einstellen. Durch variationsreiches „Kommunizieren“ lernt man, die Ursachen für unerwünschte Reaktionen des Pferdes zu bestimmen und dann die notwendigen veränderten Einwirkungen oder Maßnahmnen vorzunehmen, um das gewünschte Verhalten letztlich zu erreichen.

Dieser Lernprozess braucht seine Zeit, er findet nur über das Prinzip: „Learning by doing“ statt. Je langsamer und bedächtiger Reiter und Pferd sich dabei bewegen, um so leichter ist es für beide, dieses „Zwiegespräch“ über Körpersprache zu führen und die Missverständnisse immer weiter zu reduzieren. Dies ist einer der schwierigsten Bereiche für jeden Reiter. Er muss lernen, mit Kompromissen zu leben und sich über jede noch so kleine Verbesserung in diesem Verständigungsspiel zu freuen.

Balancehaltung und funktionale Haltung
Die Einwirkungsmöglichkeiten, die der Reiter mit seinem Körper auf das Pferd hat, werden gemeinhin „Hilfen“ genannt. Sie sollen dem Pferd helfen, die Gedanken des Reiters zu verstehen und diese umzusetzen. Es ist üblich, „Hilfen“ in Gewichtshilfen, Schenkelhilfen und Zügelhilfen zu unterteilen.

Daraus lässt sich ableiten, den Reiterkörper in drei Einzelbereiche zu unterteilen:
Den Rumpf mit dem Sitz für die Gewichtshilfen, die Beine für die Schenkelhilfen und die Arme für die Zügelhilfen. Zum besseren Verständnis ist das sicher hilfreich. Auch während praktischer Übungen zur Verbesserung der Reittechnik lernt man leichter, wenn man sich zunächst auf Einzelfunktionen beschränkt. Doch man sollte stets im Auge behalten, dass das Reiten eine dynamische Betätigung ist und somit alle Körperbereiche in Koordination zueinander und miteinander funktionieren müssen, um optimal mit dem Pferd zusammenzuwirken.
Wie schon zuvor beschrieben, kommt der Körperhaltung dabei ein zentrale Rolle zu.

Die Körperhaltung bestimmt zu Pferde stets, wie klar und eindeutig der Reiter mit seinen Armen, Beinen und den Gewichts- und Sitzeinwirkungen Einfluss nehmen kann.

Um die ideale Balance- und Funktionshaltung als Voraussetzung für eine präzise und koordinierte Einwirkung auf das Pferd zu erwerben, hat es sich bewährt, das Leichttraben abwechselnd mit Reiten im Schwebesitz (auch leichter Sitz genannt) und dem Aussitzen im Trab zu praktizieren. Ein Pferd mit ruhigen, weichen und gleichmäßigen Bewegungen ist ideal für diese Übung.
Ein Reiter verbessert so sein Rhythmusgefühl, er lernt weich in den Sattel einzusitzen und wird lockerer und besser ausbalanciert. Er lernt, seine Hände den Bewegungen des Pferdemaules anzupassen, unabhängig von seinen Körperbewegungen mit Rumpf und Beinen. Verspannungen und Blockaden lassen sich mit dieser Übung leicht abbauen und aktive Schenkel, Zügel- und Sitzeinwirkungen können bewusster und koordinierter ausgeführt werden.

Um die Grundhaltung zu Pferde zu optimieren, sollte der Reiter sich darauf konzentrieren, die Stützfläche in den Steigbügeln unter seinen Körperschwerpunkt zu bringen. So gelangt er zu einer ausbalancierten Haltung. Von der Balance in den Bügeln kann der Reiter sich im tiefen Punkt des Sattels kurzfristig absetzen, um so das Gefühl für einen ausbalancierten Sitz zu erlangen. Durch regelmäßigen Wechsel dieser Positionen in allen Gangarten wird er in allen beiden immer sicherer und lockerer. Sind die Stützpunkte in den Steigbügeln nach vorn oder hinten abweichend von der Lotlinie durch den Körperschwerpunkt, so kann der Reiter sich nicht richtig ausbalancieren und seine Schenkel nicht für differenzierte Einwirkungen kurzzeitig ein wenig vor- oder zurücknehmen.

Detaillierte Beschreibungen zu Schenkel-, Zügel,- Sitz- und Gewichtseinwirkungen finden Sie in dem Buch „ Der Freizeitreiterkurs“ von Peter Kreinberg.

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