Der Schritt als Prüfstein für eine solide Ausbildung

 


Taktrein, weit ausgreifend und mit langen aus der Schulter heraus kommenden Bewegungen – so sollte ein guter Schritt sein. Wie wichtig diese Grundgangart auch für die Entwicklung der weiteren Gänge ist wird häufig verkannt. Ist der Schritt gut ausgebildet, fußen die Hinterhufe deutlich über den Abdrucken der Vorderhufe auf und ermöglichen dem Pferd so seinen Körper geschmeidig einzusetzen. Wie wichtig der Schritt ist und wie Sie ihn ruhig und korrekt verbessern können, erläutert Ihnen Peter Kreinberg.

 

Oft wird gesagt ‚mein Pferd ist faul’ und geht auch Schenkelhilfe nicht vorwärts. Faulheit ist ein Begriff, den wir Menschen kennen, der einem Pferd allerdings fremd ist. Hier liegt das Problem eher daran, dass das Pferd nicht gelernt hat, motiviert vorwärts zu gehen. Bei Pferden, die kurz und taktunrein Schritt gehen sowie wenig Raumgriff haben hat es sich grundsätzlich bewährt, gezielt im Gelände zu arbeiten. Die so genannten ‚faulen’ Pferde sind schwer zu motivieren, gehen meist nur zögerlich, zäh und mit kurzen Schritten vorwärts. Da es auf dem Reitplatz noch schwieriger ist, so ein Tier zu motivieren, kann man dessen Fleißgrenze im Gelände systematisch erhöhen. Reiten Sie mit geteilten, also Westernzügeln, können Sie die Zügelenden als Hilfsmittel nehmen, beim Reiten mit englischer Ausrüstung ist eine Dressurgerte hilfreich.

Mit Motivation zum gleichmäßigen Tempo

Ziel ist es, das Pferd durch leichte Hilfen in ein gleichmäßiges Grundtempo zu bringen – in allen drei Gangarten. Präzise Hilfengebung und ein Übungsplan können Ihnen weiter helfen:
Da solche Pferde meist gelernt haben, Schenkelhilfen zum Antreten weites gehend zu ignorieren, müssen diese wieder aktiviert werden.

Geben Sie ein Stimmkommando wie Schnalzen oder ‚Schee..eritt’ und fragen Sie dann einmal nett mit der Wade an – nicht zwingend, sondern signalisierend. Geht das Pferd daraufhin nicht schneller im Schritt, touchieren Sie es freundlich und vor allem emotionsfrei mit der Gerte. Es wird daraufhin drei vier Schritte schneller gehen und dann wieder in sein gewohntes Tempo zurückfallen.

Denken Sie daran: Ihr Pferd muss erst lernen, die neuen Anfragen umzusetzen, verlangen Sie also nicht direkt ein Wunder.

Die Aufforderung durch das Touchieren macht dem Pferd deutlich, wann es sich in der Komfort- und wann in der Diskofortzone bewegt. Dies ist wichtig, damit es begreift was erwünscht ist und es sein Verhalten auch ändern kann. Fällt Ihr Pferd wieder in einen zähen Schritt zurück, dann arbeiten Sie wieder in gewohnter Reihenfolge: Stimm-, Sitz- und Schenkelhilfen. Kommt von dem Pferd daraufhin eine Reaktion, dann nehmen Sie die Gerte langsam vom Pferd. Loben Sie es mit Ihrer Stimme oder durch Streicheln am Hals, sobald es fleißiger voran geht.

 

Zweite Phase: Nicht mehr "zurückfallen" lassen

In der zweiten Phase animieren Sie das Pferd dann dazu, gar nicht erst in das unerwünschte Schritttempo zurück zu fallen. Ehe es nach den ersten, aktiveren Schritten wieder langsamer wird, setzten Sie schon Ihre Hilfen ein.

Über mehrere Tage hinweg trainiert, wird das Pferd immer fleißiger vorwärts gehen. Durch ein weiches Heranreiten an das Gebiss wird es mit der Hinterhand immer tiefer untertreten und somit seine Schritte verlängern. Das Pferd soll ja nicht einfach nur schneller werden, sondern raumgreifender voran schreiten. Pferde, die eher phlegmatisch sind, müssen vielleicht hin und wieder neu motiviert werden. Aber auch solche Pferde können über ihrem individuellen Grundtempo, über ihre Fleißgrenze hinweg gleichmäßig geritten werden.

 

In welcher Zäumung oder Ausrüstung Sie Ihr Pferd reiten spielt dabei keine Rolle – hier geht es um motivierende Hilfen mit dem Schenkel. Das Pferd soll lernen, darauf zu achten, was Sie anfragen.

 

Text & Fotos © RK, TGT GmbH