Ausführliche Beschreibung der TGT®-Inhalte Bodenarbeit BASIS

TGT® Bodenschule – Die Methode für engagierte Pferdebesitzer, Ausbilder & Therapeuten aus
Dressur, Western, Freizeit, Gelände, Iberisch, Gangpferde oder Working-Equitation.
für mehr Verständnis, Vertrauen, Gelassenheit, Gefühl, Leichtigkeit und Fitness.

Lesen Sie hier, wo und wie Sie die Methode erlernen können.

 


TGT® Bodenarbeit – zuverlässig & mit Leichtigkeit

Die „TGT® Methode“ ist in die zwei grundsätzlichen Themenbereiche Bodenschule und Reiten unterteilt. Diese bauen aufeinander auf und ergänzen sich. Im Themenbereich der ‚Bodenschule-Basis‘ erwerben Sie die Grundlagen für eine systematische Pferdeausbildung und für eine solide Ausbilder-Kompetenz.

Darin werden in systematisch aufeinander aufbauenden Übungsreihen

  • Verständigung
  • Erziehung und
  • in ersten Ansätzen auch Gymnastizierung

erarbeitet.

Lernziele:

  • Sie erarbeiten mit Ihrem Pferd Verhaltensmuster, die man als „gute Manieren“ bei einem Reitpferd erwartet.
  • Sie verbessern Gelassenheit, Mitarbeits-Bereitschaft und Sicherheit im Umgang.
  • Die Verständigung zwischen Ihnen und Ihrem Pferd über eindeutige Signale wird erarbeitet.
  • ie verbessern das „mentale“ Gleichgewicht von Vertrauen und Respekt bei Ihrem Pferd.
  • Sie verbessern sein „physisches Gleichgewicht“ für gesunde Bewegungsabläufe in Leichtigkeit und verfeinern Ihr Gefühl und Ihre Handlungskompetenz.
  • Sie lernen mit Ihrem Pferd voneinander und miteinander unter professioneller Anleitung in besonders dafür ausgewählten Übungsreihen, situationsbezogen und erfahrungsorientiert.

Die vier Bereiche der TGT®-Bodenschule sind:


1.   TGT® Führtraining

2.   TGT® Leitseilarbeit

3.   TGT® Arbeit an der Hand

4.   Instinkte modifizieren (Anti-Schreck-Training)

 



TGT® – Führtraining

Dieser Teil der Bodenschule stellt den Bezug zum Umgang mit dem Pferd im Alltag auf kurze Distanz her. Er kann überall auf guten Bodenverhältnissen ausgeführt werden.

Die Ausrüstung

Die Standard-Ausrüstung ist Stallhalfter und Führseil. Sie wird bei jedem Pferd angewendet.

Zusätzlich wird der korrekte, gefühlvolle und angemessenen Umgang mit „Reizverstärkern“ wie Gerte und Führkette gelehrt. Diese Ausrüstungsgegenstände werden nur im Ausnahmefall und bei Notwendigkeit zeitweilig in der Bodenschularbeit verwendet.

Die korrekte Anwendung der Ausrüstung sowie die Bedeutung von Körperhaltung, Energetik und Bewegung im Raum werden sorgfältig vermittelt.

Wichtig:
Vielen Pferdebesitzerinnen und -besitzern ist nicht bewusst, dass schon im täglichen Umgang und beim Führen die Sozial-Beziehung zwischen einem individuellen Menschen und Pferd definiert wird. Wer in dieser „ungleichen Sozialpartnerschaft“ die Führungsrolle übernimmt, entscheidet sich mit der Frage: Wer bewegt wen?

Damit diese wichtige Frage möglichst konfliktfrei und freundlich zugunsten des Menschen entschieden wird, ist eine eindeutige Verständigung über Richtung, Tempo und Haltung wichtig. Dazu ist eine sanfte, pferdegerechte und funktionale Bewegungs- und Berührungs-Signalgebung besonders gut geeignet und muss von Mensch und Pferd erlernt werden.

Damit wird sowohl eine solide Basis für die Ausbildung junger Pferde geschaffen wie auch für die Korrektur von sogenanntem „Problemverhalten“.


Die Übungen

In beiden Fällen findet die Verständigung durch Körperkontakt, „durch direktes Gefühl“ statt. Systematisch und dosiert und platziert gegebene Berührungsimpulse über das Halfter am Kopf und mit den Windungen oder dem Ende des Führseiles am Körper erlangen durch Wiederholung Signalbedeutung und dienen damit der präzisen Verständigung.

So vermittelt Sie Ihrem Pferd zunächst, wo und wann es sich bewegen soll – und wo nicht; dann später, wie es das tun soll. Dieses Prinzip lässt sich sowohl dem Pferd als auch dem Menschen am besten im Bereich des Führtrainings in den Grundlagen vermitteln. Das Prinzip wird später auf den gesamten Bereich der reiterlichen Einwirkungen, der Hilfen, übertragen und führt zu der Leichtigkeit, die mit der TGT®-Methode letztlich erreicht werden kann.

Körper-Kontakt-Druck ist dann kein Kraftakt, sondern eine Verständigungsakt. Das Pferd kommt nicht ins Bewusstsein seiner Körperkraft, es entwickelt keine Verspannungsreflexe, kein Meideverhalten oder gar Abwehr gegen das „Kommunikationsmittel Körperkontakt“.
Körper-Kontakt-Druck spricht nicht den Muskelsinn des Pferdes an, sondern den Haut- und Tastsinn (taktile und sensorische Reizsetzung) und wird damit zur sanften Berührungs-Sprache – The Gentle Touch.

Der Kontakt und Umgang zweier Körper zum Zweck der Verständigung mit direktem Gefühl wird kultiviert. Diese praktische Erfahrung ist auch für viele Reiter richtungweisend. Sie lernen, ihr Körpergefühl im sehr direkten Umgang mit dem Pferd zu schulen und zu entwickeln. Wie fühlt sich ein fester Muskel an, wie, wenn er sich entspannt. Wie fühlt sich „Widerstand“ an, welche Berührung fördert die Entspannung, welche Druckdosierung löst welche Reaktionen aus? Auf diese und viele andere Fragen findet man im Rahmen der Übungen eine Antwort.

In den Übungen werden die Pferde um, über und durch Objekte geführt. Die Objekte geben den Übungen Sinn und dienen als Orientierungspunkte.

Das Lernziel

Die Pferde lernen, sich auf den Punkt genau mit leichten Impulsen leiten zu lassen und gelassen auf alle möglichen Reize zu reagieren. Sie lernen, präzise anzuhalten, rückwärts zu gehen und Wendungen auszuführen, dabei stets aufmerksam zu sein und den Individualbereich des Führers zu respektieren.

Der Führende lernt, in Körperhaltung, Energetik, Fokus und Einwirkung das nötige Feingefühl, die korrekte Technik und eine situationsbezogenen Handlungsweise.


TGT® – Arbeit am Leitseil

Dieser Teil der Bodenschule stellt den Bezug zum Umgang mit dem Pferd im Alltag auf mittlere Distanz (ca. 1m – 7m) her. Er kann überall auf guten Bodenverhältnissen ausgeführt werden Es ist jedoch ratsam, zunächst auf einem kleineren, sicher eingezäunten Reitplatz oder in einem entsprechenden Rondell (Roundpen) von ca. 15 – 20 Metern Durchmesser zu arbeiten. Sie ist die älteste Methode, ein Pferd für seine Aufgabe als Reitpferd vorzubereiten. Traditionell wurde sie in einem kleinen, eingezäunten Platz oder um einen stabilen Pfosten herum ausgeführt. In unterschiedlichen Variationen ist diese Methode von der Antike bis heute überliefert und wurde und wird bei den meisten ursprünglichen Reitervölkern angewendet.

Die Ausrüstung

Ich empfehle für die Basisarbeit ein etwa 4,5 bis 5 Meter langes Leitseil mit guter Eigenbalance, also weder zu leicht noch zu steif. In besonderen Fällen wird auch mit einem etwa 7m langen Seil zeitweilig gearbeitet.

Die Leitseile werden in Verbindung mit einem Knotenhalfter verwendet. Das ist für diesen Trainingsabschnitt optimal, da es die Seilimpulse fein und differenziert auf den Pferdkopf überträgt und so das Pferd animiert, auf die Nuancen der unterschiedlichen Kontaktdruck- und Berührungs-Situationen im Bereich der taktilen oder sensorischen Wahrnehmung (Haut- bzw. Tastsinn) zu reagieren. Ein normales Stallhalfter bietet diese differenzierte Signalgebung nicht so optimal, kann aber alternativ auch verwendet werden.

Verschiedene Formen der Leitseilarbeit

In Deutschland sind im Zuge der Natural-Horsemanship-Bewegung und durch einzelne Trainer verschiedene Formen des Arbeitens an einem Leitseil oder gar des freien Arbeitens in einem Roundpen oder in einem Longierzirkel bekannt geworden.

Obwohl ich selbst die freie Arbeit im Roundpen beim Anreiten junger Pferde praktiziert habe und im Bedarfsfall praktiziere, empfehle ich diese Methode ungeübten Pferdeleuten nicht. Zu hoch ist das Risiko, dass bei dieser Form der Arbeit Missverständnisse entstehen, die ein Pferd sehr irritieren, verunsichern und nicht selten sogar zu aggressivem Verhalten veranlassen.

Die Arbeit am Leitseil hat außerdem den Vorteil, dass sie überall praktiziert werden kann, ohne dass besondere Reitbahnformen oder -einzäunungen nötig wären.

Wichtig: Die The Gentle Touch®-Übungen verfolgen nicht den Zweck, ein „Dominanztraining“ zu praktizieren oder gezielt an der „Rangordnung“ zu arbeiten. Deswegen wird in der Basis-Arbeit nicht mit Peitschen, Kurzpeitschen oder sogenannten „Horseman-Sticks“ aus Fiberglas gearbeitet, alles Ausrüstungsgegenstände, die letztlich der Einschüchterung dienen und somit gewollt oder ungewollt einen gewissen Zwang ausüben. Sehr leicht ist damit zwar der Gehorsam zu erzwingen, nicht aber das Verständnis, Vertrauen und die Zuneigung des Pferdes.

Bei richtiger Umsetzung der The Gentle Touch®-Übungen am Leitseil werden Sie als Ausbilder automatisch die Rolle des Agierenden übernehmen und Ihr Pferd wird sich in der Rolle des reagierenden und angeleiteten Partners wiederfinden. Mit dieser Technik lernen Sie und Ihr Pferd voneinander und miteinander unter Anleitung nach und nach die Verständigung über das „indirekte Gefühl“.

Das bedeutet, dass bestimmte Berührungsreize und auf Distanz gegeben visuelle und akustische Signale dieselbe Bedeutung haben. Die gesehene oder gehörte Botschaft kann durch die präzise Berührung aber verdeutlicht und verstärkt werden, diese Verknüpfung ist für die weitere kontrollierte Arbeit von großer Bedeutung.

Es entsteht eine mentale Verbindung und Führung am „unsichtbaren Faden“.

Das führt dann automatisch dazu, dass Sie nach und nach eine kompetente Leitfunktion einnehmen, die von Ihrem Pferd dann selbstverständlich akzeptiert wird.

Aus meinem Blickwinkel hat die The Gentle Touch®- Bodenschule für das Pferd den Status eines Kindergartens, einer Vorschule oder zum Teil einer Grundschule, wenn wir den Vergleich zum Schulsystem unserer Kinder heranziehen wollen. Für Sie als Pferdebesitzer oder Ausbilder allerdings ist es ein Lernweg hin zum pädagogisch und didaktisch planvoll handelnden Lehrers. Hat ein Pferd diesen Teil durchlaufen und die vermittelten Inhalte verinnerlicht, so wird man im Alltag das Erlernte erhalten und weiterpflegen, während auf dem Lehrplan dann weiterführende Themen stehen und auch erarbeitet werden. Sollten die Manieren eines Pferdes in fortgeschrittener Ausbildung dennoch einmal schlechter werden, so kann man zur Auffrischung durchaus zeitweilig wieder zur Bodenarbeit zurückkehren. Das gilt auch, wenn ein Reitpferd eine längere Pause hatte und wieder in Dienst genommen werden soll.


Würde, Zuneigung und Angemessenheit

Wenn Sie mit Ihrem Pferd am Boden arbeiten, so respektieren Sie seine Würde. Machen sie es nicht zum „Hampelmann“: bei dem zieht man an der Strippe, um sich daran zu ergötzen, dass er dann jedes Mal strampelt und springt.

Ihr Pferd hat ein feines Gefühl dafür, ob Sie sinnvoll und respektvoll mit ihm arbeiten oder ob Sie es nur „vorführen“ möchten. Wenn Sie sich in diesem Punkt nicht selbst disziplinieren, dann wird es Sie bald nicht mehr ernstnehmen oder missmutig werden. Weder vertraut es Ihnen dann noch, noch respektiert es Sie. Letztlich macht es Sie dann zum „Hampelmann“.

Vergessen Sie nie: Pferde haben eine Persönlichkeit, und Sie unterscheiden individuell zwischen einzelnen Lebewesen, die in Kontakt zu ihnen stehen. Hat ein Pferd erst einmal das Vertrauen verloren, so ist es sehr schwer, das wieder zurück zu gewinnen.

Behandeln Sie es aber respektvoll und freundlich-konsequent, so können Sie in der technischen Umsetzung der Übungen durchaus „Fehler“ machen, ohne dass Ihr Pferd Ihnen das übelnimmt. Wenn Sie jedoch unangemessen handeln oder wenn sie nicht sinnvoll mit ihm umgehen, dann haben Sie nicht nur die TGT®-Methode missverstanden, Sie werden auch keine freundliche, vertrauensvolle und harmonische Beziehung zu ihm aufbauen können.


Die Übungen

Damit die Übungen am Leitseil gelingen können, wird zunächst die optimale funktionale und pferdeschonende Anwendung und Handhabung des Leitseils geübt.

Das beginnt für jede Übung zunächst mit „Poeple-Arbeit“, d.h. ein Teilnehmer übernimmt am Seil die Rolle des Pferdes während der andere das „Handwerk“ sowie die notwendige Geschicklichkeit und Beweglichkeit einübt.

Erst wenn so die gröbsten „Fehler“ eliminiert sind, werden die Übungen mit dem Pferd zunächst immer im Schritt mit geringem Schwierigkeitsgrad geübt, bevor eine Steigerung stattfindet. Die Übungen sind so aufgebaut, dass sie zu Beginn sehr einfach und simpel sind und dann mit jeder Übung etwas anspruchsvoller für Sie und Ihr Pferd werden.

Die Übungen haben den Charakter von „Stellverteter-Übungen“ d.h. jede Übung hat als Kerninhalt besondere Verhaltensmuster oder Bewegungsabläufe. Die finden sich später in vielfältiger Weise ähnlich im weiterführenden Training auch unter dem Reiter wieder.


Die Ziele

Mit der TGT®-Methode werden grundsätzlich die folgenden Ziele verfolgt:

  • Ihr Pferd lernt, außer auf den direkten Körperkontakt auch auf Ihre Körpersprache zu achten. Sie lernen, dass Verständigung zum einen durch direktes Gefühl, also tatsächliche Berührungen oder Kontakte und zum anderen durch indirektes Gefühl auf Zeichen ohne Berührungen stattfinden kann. Das hat den Effekt, dass Pferde sehr viel aufmerksamer, feiner und eigenmotivierter reagieren.
  • Es lernt die Regelmäßigkeit der Signale und damit deren Bedeutung kennen und verstehen.
  • Es lernt, die Regeln des Umgangs mit dem Menschen, wie sie als Fohlen die Regeln des Umgangs mit Pferden in der Herde gelernt haben. Das schafft eine bessere Vertrauensgrundlage.
  • Es lernt, dass es seine Kraft nicht einsetzen kann, um sich Ihren Einflüssen zu entziehen.
  • Es lernt, Ihren Individualbereich genauso zu respektieren wie den eines Herdenmitgliedes.
  • Es lernt, dass Sie auch über eine etwas größere Distanz Einfluss nehmen können, das steigert seinen Respekt und Gehorsam Ihnen gegenüber.
  • Sie lernen, bei der Arbeit am Leitseil darauf zu achten, dass Sie die nötigen Sicherheitsabstände zu Ihrem Pferd beachtet und sich entsprechend positionieren
  • Sie lernen ein verbessertes allgemeines Sicherheits- und Problemmanagement.
Vertrauen, Verständigung, Zuneigung und Respekt sind die Voraussetzungen, damit Ihr Pferd in seiner Rolle als Reitpferd sein mentales und körperliches Gleichgewicht wiedererlangt, das es als Jungpferd außerhalb menschlicher Einflüsse ganz natürlich entwickelt hat.

In der TGT® Bodenschule ‚Basis‘ werden solche Übungen vermittelt, die auch von weniger erfahrenen Pferdeleuten angewendet werden können.

Wichtig: Besonderer Wert wird in der The Gentle Touch®- Methode aber schon am Boden auf die Verständigung über den Haut- und Tastsinn (taktile Reizsetzung) dafür konditioniert. Dies geschieht, damit das Pferd schon in dieser Phase die gleiche Bedeutung der Berührungssignale erfährt, die später beim Reiten durch Zäumungs-, Zügel und Schenkelkontakt gegeben werden und dann den Charakter von „Hilfen“ haben.

Wird ein Pferd in der Bodenschule zu sehr auf Stimm- und Zeichensignale konditioniert, wie das bei vielen Bodenarbeitssystemen und der Zirzensik der Fall ist, so muss es unter dem Reiter umlernen oder versteht viele Reiterliche Handlungen dann nicht. Missverständnisse und Konflikte sind dann die Folge.


TGT® – Arbeit an der Hand

Das dritte, wesentliche Element der TGT® Bodenarbeit, die „Arbeit an der Hand“, verknüpft die beiden vorangegangenen Bereiche noch enger und direkter mit der Ausbildung unter dem Reiter.

In dieser Übungsreihe wird die taktile und sensorische Reizsetzung - die Verständigung durch Berührung und damit die Aktivierung des Haut- bzw. Tastsinnes - noch mehr in den Focus genommen.

Währende die vorgeschalteten Übungsreihen von Führtraining und Leitseilarbeit nur zu Beginn der Ausbildung oder Korrektur eines Pferdes für eine begrenzte Zeit sinnvoll sind, wird die Arbeit an der Hand im dressurmäßigen Sinne die gesamte Ausbildung des Reitpferdes bis in die Fortgeschrittenen Ausbildungsebenen der Versammlung begleiten.

Die Arbeit an der Hand ist somit eine tragende Säule einer pferdegerechten, schonenden und effizienten Reitpferdeausbildung. Sie kann mit unterschiedlichen Techniken, Ausrüstungsgegenständen und Abläufen angewendet werden. In der TGT® Bodenschule ‚Basis‘ werden in einer vereinfachten Form zunächst die Grundlagen gelegt und in Anlehnung an die in der HDV 12 beschriebene Handarbeit das Verständnis für die Einwirkungen und erste Mobilisierungs- und Geschicklichkeitsübungen im Stand und im Schritt in der sogenannten Remonte-Haltung erarbeitet.

Im später folgenden Weiterbildungs- bzw. Aufbau-Programm können Sie dann individuell je nach Interesse die weiterführenden Übungsreihen erarbeiten.


Ausrüstung

Das Pferd wird mit der einfach oder zweifach gebrochener Wassertrense und einem Paar geschlossener Zügel gezäumt. Die Zügeleinwirkungen sollen nun im Maul des Pferdes mit dem Mundstück auf Zunge und Lefzen (Lippen, Mundwinkel) wirken. Keinesfalls soll es auf die Unterkieferäste (Laden) direkt Druck ausüben. Anders als häufig angenommen oder vermittelt sind die Laden bei Druck schmerzempfindlich, da Lippenwülste (Lefzen) Schützen diese empfindlichen Stellen bei korrekter Lage des Mundstückes und sind relativ schmerzunempfindlich gegen Druckeinwirkung, wohl aber in der Lage, sensorisch sehr differenziert Berührungsreize wahrzunehmen und zu unterscheiden.

Das Verständnis für diese Berührungsreize und eine entsprechende ungezwungene Muskelentspannung wird zunächst durch Übungen im Stand erarbeitet.

In der Bewegung wird mit der Zäumung und einer langen Dressurgerte eingewirkt. Die dient dazu, Berührungskontakte am restlichen Körper zu platzieren. Mit der Gerte wird nur touchiert, nicht geschlagen, nicht gestoßen oder gedroht!

Der Begriff „touchieren“ muss erläutert werden, da der Gebrauch einer Gerte von Reitern individuell in recht großer Variationsbreite praktiziert wird. Energetik, innere Einstellung und Dosierung im Gebrauch der Gerte sind von maßgeblicher Bedeutung dafür, wie ein Pferd den Anblick, das Geräusch und die Berührungen mit einer Gerte interpretiert.

Die drei wichtigen Horsemanship -Tugenden: Ruhe – Angemessenheit – Konsequenz müssen bei dieser Arbeit besonders sorgfältig in der Praxis berücksichtigt werden, damit das Pferd die Interaktionen als Mittel der Verständigung begreift und es sein Vertrauen und seine innere Gelassenheit nicht verliert.

Touchieren bedeutet „berühren, anrühren, streifen“ – und genau so soll die Gerte eingesetzt werden: wir wollen den Tastsinn des Pferdes ansprechen, ihm keine Schmerzen zufügen. Somit ist Übungsreihe besonders geeignet, um die Philosophie und die Technik der Gentle Touch® Methode“ zu erlernen.

Wenn Sie mit der Gerte das Pferd berühren, wie Sie mit einem Teelöffel vorsichtig an ein Glas klopfen würden, um vor einer Rede die Aufmerksamkeit einer Gesellschaft zu erlangen, oder wenn Sie sich vorstellen, Sie klopfen behutsam an eine Tür, hinter der Sie einen Schlafenden vermuten, den Sie nicht abrupt wecken möchten, dann sind Sie auf dem Weg, das richtige Maß zu finden.

Ebenso vorsichtig und gefühlvoll dosierend sollten sie mit dem Trensengebiss im Maul den Kontakt pflegen. Während der Arbeit an der Hand üben Sie das gefühlvolle Zusammenwirken antreibender, aktivierender und begrenzend, verhaltender Hilfengebung. Das Pferd wird für sanfte, freundliche Schenkeleinwirkungen aus dem Sattel vorbereitet und lernt, die Signale des Gebisses zu verstehen, ohne sich zu stützen oder gar dagegen zu wehren.

Die Ziele

  • Das Pferd lernt, sich im „Rahmen“ der Berührungs-Kontakte zu bewegen, sich auf diese Weise leiten zu lassen, einzelne Beine zu bewegen und sich in Haltung und Positionierung entsprechend Ihrer Anleitung zu bewegen.
  • Es lernt, Ihre Idee zu seiner eigenen zu machen.
  • Es lernt im Schritt auf gebogenen und geraden Linien in kurzen Intervallen einige Schritte seitwärts zu treten. Damit legen Sie die Grundlagen für die spätere Biegeübungen, Reiten auf zwei Hufschlägen und die Seitengänge.
  • Sie lernen, Ihre Ideen so zu übermitteln, dass Ihr Pferd sie verstehen und zu seinen eigenen Ideen machen kann.


Diese Arbeit an der Hand erfüllt im Rahmen der TGT® Methode die Funktion eines Sensibilisierungs-Programms für Pferd und Reiter.

Gleichzeitig verbessern sich durch die Übungen bei Ihnen und Ihrem Pferd Losgelassenheit, Koordinationsfähigkeit und Geschicklichkeit.
Durch die vielfältigen Übungen der Arbeit an der Hand legen Sie bei Ihrem Pferd den Grundstein für feine und feinste Reaktionen an der Hand und unter dem Reiter, und Sie selbst lernen, das richtige Maß der Einwirkungen vom Boden aus schon mal zu üben und sich selbst dafür zu sensibilisieren, wie fein die „Hilfen“ sein können und eigentlich auch sein sollten.


Instinktverhalten modifizieren – TGT® Anti-Schreck-Parcours

Dieser letzte Baustein einer umfassenden Bodenschule ist differenziert zu betrachten.

Das Schreck- und Fluchtverhalten ist bei Pferden ein angeborenes Instinkverhalten und dient dem Selbstschutz. Seine Reaktionsmuster werden vom Unterbewusstsein gesteuert und kommen je nach erblicher Veranlagung und erworbenen Erfahrungen in sehr unterschiedlicher Ausprägung vor.

Manche Reaktionen bergen ein sehr hohes Verletzungsrisiko sowohl für das Pferd wie für andere Lebewesen in seiner Umgebung.
Daher sollte ein systematisches „Antischreck-Training“ nur unter kompetenter Anleitung oder von sehr erfahrenen Pferdeleuten erarbeitet werden. Übungen können bei manchen Pferden zu zeitweiligen Spannungs- und Stress-Situationen führen, da sie das Instinktverhalten eines Pferdes deutlich aktivieren und dann modifizieren sollen. Absolute Voraussetzung für eine möglichst Risiko-reduzierte Schulung ist ein gefestigtes Zusammenspiel zwischen Ausbilder und Pferd in den drei vorgenannten Bodenschul-Bereichen.

Ruhe und Kontrolle

Dieser Übungsbereich kann nur zum gewünschten Lerneffekt beim Pferd führen, wenn es dem Ausbilder gelingt, durch umsichtiges und angemessenes Handeln stets die grundsätzliche Kontrolle über die Situation zu behalten, auch wenn es zeitweilig zu unkontrollierten Bewegungen oder Reaktionen des Pferdes kommt.

Anders als bei den zuvor genannten Übungsbereichen vom Boden aus können unzulängliche oder falsche Desensibilisierungsversuche beim Pferd zu Fehlverhaltensmustern führen oder es sogar dauerhaft traumatisieren. Auch ansonsten ruhige Pferde können plötzlich zu extremen Reaktionen neigen. Unerfahrene sollten sich mit diesem Thema deshalb nur unter Anleitung durch einen erfahrenen Ausbilder beschäftigen.

Gewöhnung oder systematische Lernübungen

Die Verhaltenslehre kennt verschiedene Formen des Lernens aus Erfahrung durch Wiederholung (Konditionierung). Wird ein Pferd wiederholt gleichen Reizen ausgesetzt un d macht die Erfahrung, dass damit keine negativen Erfahrungen verbunden sind, so beginnt es diese auszublenden. Pferdeleute sprechen dann davon, dass sich an etwas gewöhnt oder „abstumpft“, manche sprechen auch von Desensibilisierung. Das bedeutet aber nicht, dass seine taktile oder sensorische Wahrnehmung diesen Reizen gegenüber abnimmt, nur die Reaktionen werden zeitweilig anders.

In einem entsprechenden Lernprogramm der „Desensibilisierung“ lernt das Pferd, optische, akustische oder Berührungsreize sowie Gerüche in unterschiedlicher Anordnung und Dosierung mit steigender Tendenz zu tolerieren. Diese Gewöhnung oder fachlich auch ‚Habituierung‘ geschieht für das Pferd unbewusst und sein Toleranzverhalten kann nicht verlässlich erwartet werden.

Bewusstsein schaffen – Selbstvertrauen stärken

Eine anspruchsvollere Art des Anti-Schreck-Trainings besteht darin, Lernsituationen systematisch so zu gestalten, dass ein Pferd durch bestimmte systematische Übungsfolgen zur bewussten Auseinandersetzung mit diesen Einflüssen veranlasst. In diesem Fall bietet der Ausbilder ihm unter kontrollierter Anleitung zunächst verschiedene Reaktionsmöglichkeiten. Die unerwünschten werden nicht verhindert oder bestraft, wohl aber mit Unbequemlichkeit oder „Mehrarbeit“ verbunden. Erwünschte Verhaltensweisen werden im Ansatz erkannt und sofort mit Bequemlichkeit und freundlicher Zuwendung verbunden und werden für das Pferd erstrebenswert gestaltet.

Diese Form der gezielten Um-Konditionierung von instinktiven Verhaltensweisen wird auch in der Verhaltenslehre als ‚operante oder instrumentelle Konditionierung‘ bezeichnet.

Solche Lern-Situationen und Übungen sollten nur von sehr erfahrenen Ausbildern durchgeführt werden.

Sie müssen individuell gestaltet werden, und die Lernfortschritte können von Pferd zu Pferd sehr unterschiedlich sein. Richtig angewandt entwickelt ein Pferd durch ein solches Training ein hohes Maß an Selbstvertrauen und Vertrauen in den Ausbilder. Das Ergebnis ist eine deutlich größere Gelassenheit, Zuverlässigkeit und Sicherheit auch in Ausnahme- oder Stresssituationen.

Die einfachste Form der Desensibilisierung ist das Abstreifen mit einer in der Hand zusammengeknüllten Plastikfolie in der Art und Weise, wie man ein Pferd vom Kopf über den Rumpf bis zur Hinterhand putzen würde. Akzeptiert es das von beiden Seiten, so würde man die Folie eventuell auf Handtuchgröße auseinanderfalten und wieder die Prozedur wiederholen. Dabei ist es wichtig, stets behutsam, aber konsequent den Reiz aufrechtzuerhalten, bis das Pferd absolut zum Stillstand gekommen ist, ruhig atmet und locker werdende Muskelreaktionen zeigt. Es beginnt die Situation bewusst wahrzunehmen und ‚nachzudenken‘, Anders als Gewöhnungsübungen, die maximal zu einer zeitweiligen Toleranz solcher Situationen führen würden, erreicht man durch eine solche ‚operante bzw. instrumentelle Konditionierung‘ eine weitreichende Akzeptanz in jeder Situation.

Das Selbstvertrauen eines Pferdes wird dadurch systematisch gestärkt. Man kann auf diese Weise einem Pferd systematisch Rituale zu einem bewussten, kontrollierten Problemmanagement mit gestärktem Selbstbewusstsein vermitteln. Dabei wird es die Erfahrungen und die aus den Lernsituationen resultierenden Erkenntnisse ins Alltagsleben übertragen und mit größerer Gelassenheit, Aufmerksamkeit und williger Mitarbeitsbereitschaft in gefährlichen oder irritierenden Situationen an der Hand oder unter dem Reiter reagieren.



Sicherheit hat Vorrang

Diese Form der Erziehungsarbeit ist für Freizeitpferde ganz besonders wichtig. Doch Freizeitreiter können sie nur bedingt und unter sachkundiger Anleitung einem Pferd vermitteln. Wer sich nicht absolut sicher ist, dass er alle Voraussetzungen aufweist, die für eine korrekte Umsetzung dieser anspruchsvollen Übungen nötig sind, der sollte besser darauf verzichten. Denken Sie daran, ein wichtiges Prinzip der TGT®-Methode ist es, dass Pferd und Ausbilder/Reiter sich nur mit solchen Aufgaben befassen, die sie relativ leicht und vor allem korrekt und sicher ausführen können.

Im Seminar TGT® Bodenarbeit als ‚Basis‘ werden erste Ansätze und Grundlage zum Thema „Anti-Schreck-Training“ vermittelt und nur solche Übungen mit ins Programm einbezogen, die für Sie und Ihr Pferd risikolos und sicher durchgeführt werden können. In speziellen Weiterbildungskursen und Aufbau-Seminaren kann aber jeder Teilnehmer ganz individuell tiefer in diese Thematik einsteigen.
TGT® Bodenarbeit als Basis für „feines Reiten“

Die Bodenschule der TGT® Methode mit ihren vier Basis-Schwerpunkten kann reitweisenübergreifend und für alle Pferderassen praktiziert werden.

Sie kann Reitern aller Reitweisen oder -stile nützen. Sie ist nicht Selbstzweck, sondern soll Sie und Ihr Pferd für ein feines Reiten vorbereiten. Es sind keine besonderen Trainingsvoraussetzungen wie Roundpen oder Ähnliches nötig. Die notwendige Standard-

Ausrüstung: Stallhalfter, Führseil und eventuell Führkette, Knotenhalfter und Leitseil ca. 4,5 m lang, Wassertrense mit geschlossenen Zügeln und einer längeren (120 mcm) Dressurgerte.

Die TGT® Bodenarbeit schafft wichtige Voraussetzungen und Grundlagen für eine freundliche und harmonische Beziehung zwischen Reiter und Reitpferd.