Seit über 40 Jahren erfahren in Sattelbau- und Konzeption

 

Dass der renommierte Trainer aber nicht nur im Sattel überzeugt, sondern auch im Sattelbau ein Experte ist, ist kaum jemandem bekannt. Fragt man ihn, wie es kam, dass er auch auf diesem Gebiet sowohl durch theoretische wie praktische Kompetenz überzeugt, denn erklärt er das so:

„Ich muss da etwas ausholen, denn es gibt dafür wohl verschiedene Gründe. Handwerkliches Interesse und Geschicklichkeit ist mir sozusagen in die Wiege gelegt.

Der elterlichen Hof lag sehr abgelegen, und so lernte ich sehr früh den Grundsatz: ‚Selbst ist der Mann‘, denn fernab von Nachbarn war auch die sonst übliche Nachbarschaftshilfe begrenzt, mein Vater und mein Großvater erledigten neben den landwirtschaftlichen Aufgaben auch alle auf dem Betrieb anfallenden Reparaturen oder handwerklichen Aufgaben. So lernte ich sehr früh zu schmieden, mit Holz zu arbeiten, Lederarbeiten an Pferdegeschirren usw. auszuführen, und solche Aufgaben bereiteten mir Freude.

Mit dreizehn Jahren baute ich einen Militärsattel zum Westernsattel um, nähte mir Vorderzeuge und Kopfstücke, um die Ausrüstung meinen Vorbildern aus den Western-Serien im Fernsehen anzupassen. Später, mit ca. achtzehn Jahren Anfang der 70iger-Jahre des letzten Jahrhunderts, wurde das Interesse seriöser: ich bekam den ersten Original-Westernsattel.

Meine Informationsquelle zum originalen amerikanischen Westen und den echten  ‚Cowboys‘  wurde das „Western Horseman“-Magazin, das ich abonnierte. Dieses amerikanische Magazin der Rancher- und Rinderleute wurde sozusagen zur ‚Bibel‘ der sich damals in ersten Anfängen entwickelnden ‚Westernreiterszene‘ in Deutschland. Was heute das Internet für Westernreiter ist, das war damals der ‚Horseman‘. Über ihn knüpfte ich erste Briefkontakte wie z. B. zu dem Saddlemaker Jack Carrol in McNeal, Arizona. Der hatte sich, inspiriert durch Ed Conell, der Wiederbelebung des traditionellen California- oder Vaquero-Styles verschrieben. Auch mit dem renommierten kalifornischen Master-Saddlemaker Bob Kelly in Tres Pinos trat ich in Kontakt – und mit der Familie Harrar aus Tucson. Die handelten unter anderem mit antiken Sätteln der bedeutendsten Sattelmacher des Westens. Dieser Kontakt vertiefte sich immer mehr und wurde zu einer engen Geschäftsbeziehung.

Foto: boiselleFoto: boiselleIch kaufte Oldtimer der unterschiedlichsten Traditionssattlereien der verschiedene Epochen und Regionen. Ich zerlegte alle Sättel bis auf den Baum, um die verschiedenen Funktionen und Bauweisen zu ergründen. Fachliteratur zum Sattelbau und den verschiedenen Sattelmachern öffnete mir den theoretischen Hintergrund dazu. Ich orderte bei der Superior Saddletree Co. in Vernal, Utah, meinen ersten Sattelbaum, um darauf meinen ersten Sattel komplett selbst zu bauen. Unter meinen Freunden der noch kleinen Westernszene sprach sich mein Hobby herum, und so verkaufte ich die ersten Oldtimer aus meiner Sammlung.

Die Nachfrage wurde so groß, dass ich in den nächsten Jahren Dutzende von Oldtimern wenn nötig restaurierte und dann damit einen neuen Besitzer glücklich machte. Der Begleiteffekt war dabei, dass ich einen tiefen Einblick in die Funktions- und Wirkungsprinzipien der verschiedenen Satteltypen bekam und meine handwerklichen Fertigkeiten natürlich immer besser wurden. Später folgten bei meinen ersten USA-Aufenthalten auch immer Besuche bei befreundeten Sattelmachern, um ihnen einige Tage über die Schulter zu schauen und meine Kenntnisse zu erweitern. Anfang der 80er-Jahre (inzwischen betrieb ich mit meiner damaligen Frau Edith den Trainingsbetrieb und das Gestüt Goting Cliff) beendete ich den ‚Oldtimer-Deal‘ und verkaufte meine Sammlung, um den Erlös in den Gäste- und Trainingsbetrieb zu investieren.

Um unsere Schulpferde optimal zu besatteln, kamen natürlich nicht die damals gängigen Importsättel bescheidener Qualität und Passform in Frage. Ich orderte ein Dutzend Sattelbäume und baute für den Betrieb schlichte, aber gut passende Sättel, in denen die Reitgäste auch korrekt sitzen konnten. Damals waren die meisten Westernreiter der Meinung, man müsse auf einem Westernpferd wie auf einem Harley-Davidson-Chopper sitzen. Ich hingegen folgte der kalifornischen Tradition des Reitens in optimaler Balance. Um das vermitteln zu können, brauchte es natürlich auch Sättel, die dem Reiter balanciertes Reiten möglich machten. Etliche Gäste fühlten sich in den von mir gebauten Sätteln so wohl, dass sie sie kaufen wollten.

Ehe ich mich versah, hatte ich einige Sattel-Bestellungen im Auftragsbuch und begann, nach der Tagesarbeit abends und manchmal bis in die Nacht hinein Auftrags-Sättel zu bauen. Vermutlich war ich damit der erste Deutsche, der hier Custom-Sättel baute.

Die Nachfrage wurde so gewaltig, dass ich letztlich keine Bestellungen mehr annehmen konnte; die Doppelbelastung des reiterlichen Tagesbetriebes und des nächtlichen Sattelbaus ließen sich auf Dauer nicht miteinander vereinbaren. Und so nahm ich mit ,Tex-Tan’ in Yoakum Kontakt auf und erreichte, dass man mir eine ,Klein-Serie’ nach meinen Vorgaben baute. Diese Sättel wurden gut von den Kunden angenommen.

Einige Jahre später ergab sich ein neuer Ansatz: zwei Freunde von mir, bei einem Importeur für Westernausrüstung beschäftigt, wollten sich selbstständig machen und suchten eine Partner, um ein Geschäft zu starten. Wir wurden uns bald einig. Ich brachte Know-how als Reiter wie als Sattelmacher und Kapital mit ein und wurde stiller Teilhaber, da ich ja mit meinem aktiven Engagement auf dem Betrieb Goting Cliff mehr als ausgelastet war.

Die Firmenphilosophie war es, Sättel für den deutschen Markt in den USA nach unseren qualitativen und funktionalen Vorgaben zu bauen und zu importieren. Nur so war es möglich, den anderen reiterlichen Vorstellungen und den anderen Pferdetypen hierzulande gerechter zu werden, als es viele der ‚US- Production-Line-Sättel‘ taten.

Wir erprobten eine weite Palette von Prototypen in meinem Alltagsbetrieb des Trainings-, Gäste und Ausbildungsprogramms auf Goting Cliff in Wagenhoff. Als Ergebnis entstand ein Sattelprogramm gehobener Qualität und bester Funktionalität unter der Marke ,Diamond-C’ mit eigener Sattlerei und später auch Sattelbaum-Manufaktur. Ich beendete mein Tex-Tan-Programm und ließ zukünftig in unserer gemeinsamen Firma nun für mich die ,Kreinberg-Equitation’-Sattelserie exklusiv bauen. Unabhängig davon war das Hauptgeschäft der Firma jedoch die Produktion, der Import und der Großhandel, um für verschiedene Händler in Deutschland Qualitätssättel der Marke ,Diamond-C’ oder ihrer ‚Hausmarke‘ produzieren zu lassen.

Nach fast 25 Jahren schied ich als stiller Teilhaber aus der Partnerschaft aus, mein persönliches Sattelprogramm wird dort aber weiter produziert und mit der ‚Western-Classic Serie‘ wird das nunmehr seit mehr als 30 Jahren bewährte und beliebte Programm aus US-Fertigung weiter fortgesetzt.

Foto: boiselleFoto: boiselleUm meinen Sattelkunden die besten Möglichkeiten bieten zu können, habe ich die ‚Kreinberg Sattel-Collection‘ in den zurückliegenden Jahren stets weiterentwickelt. Aus diesem Interesse habe ich mit der ‚Western-Comfort-Serie‘ unser Programm um eine zusätzliche Komponente erweitert.

Damit ist es uns jetzt möglich, unsere Produktpalette zu erweitern und unseren Kundenservice noch weiter zu optimieren. Wir können nun auch im Bereich der Individualisierung der Sattelbäume und der Sattelausführungen sowie in der Passformbeurteilung und Anpassung noch mehr Möglichkeiten bis hin zum Maßsattel ausschöpfen.

Dazu arbeiten wir seit 2016 mit dem EQUIscan®-Verfahren. Dies ist uns im Interesse einer langfristigen Zufriedenheit unsere Sattelkunden und ihrer Pferde besonders wichtig. Sattelkauf ist Vertrauenssache – als Reiter, Trainer und Seminarleiter weiß ich aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung: der Sattel ist das wichtigste Bindeglied zwischen Pferd und Reiter –; wie man hingesetzt wird, so reitet man.

Auch heute noch klingt mir der Spruch meines Vaters in den Ohren, den ich in frühester Kindheit oft hörte:

‚In unpassenden Schuhen macht das Tanzen keine Freude, und das Gehen wird zur Qual – denk immer daran: wenn du dein Pferd anschirrst oder sattelst!‘

Wie bin ich also zum Sattelbau gekommen: weil ich als Horseman bei der Besattlung keine Kompromisse machen wollte!“